Frank Heimpel-Labitzke

Ich bin ein Ver­fech­ter von Dia­log.
Von Brü­cken statt Mau­ern.
Von ver­söhn­li­chem Dia­log als Grund­la­ge für ein gedeih­li­ches Zusam­men­le­ben in einer viel­fäl­ti­gen, demo­kra­ti­schen Gesellschaft.

Gera­de auch – und viel­leicht beson­ders – im Umgang mit Men­schen, die sich extre­mis­tisch, men­schen­feind­lich oder demo­kra­tie­feind­lich äußern.

Dabei ist mir eines beson­ders wich­tig: Das Ziel mei­nes Dia­logs ist nicht pri­mär Ver­än­de­rung.
Mein ers­tes Ziel ist Ver­ste­hen – und dem Gegen­über ein ech­tes Gefühl von Ver­stan­den-Wer­den zu vermitteln.

Ver­ste­hen bedeu­tet dabei aus­drück­lich nicht auto­ma­tisch: zustim­men.
Ich ken­ne mei­ne eige­nen Posi­tio­nen sehr genau – und ver­tre­te sie klar. Gera­de weil mei­ne Hal­tung oft eine grund­le­gend ande­re ist, möch­te ich ver­ste­hen, wie ein Mensch zu sei­ner Welt­sicht kommt. Wel­che Erfah­run­gen, Ängs­te, Krän­kun­gen oder Deu­tungs­mus­ter dahinterstehen.

Nicht der Ver­such zu über­zeu­gen öff­net Ver­än­de­rung – son­dern das ehr­li­che Bemü­hen zu verstehen.

Ver­ste­hen als Vor­aus­set­zung für ver­söhn­li­chen Dialog

Ich begeg­ne mei­nem Gegen­über mit auf­rich­ti­ger Neu­gier. Nicht tak­tisch, nicht mani­pu­la­tiv, nicht mit dem ver­deck­ten Ziel, jeman­den „zu dre­hen“.
Gera­de die­se Hal­tung macht ver­söhn­li­chen Dia­log über­haupt erst möglich.

Ich fra­ge nach – auch hart­nä­ckig und konkret:

  • Wie wür­de das aus­se­hen, wenn wir die­sen Lösungs­weg wirk­lich gehen?
  • Was wür­de das für ande­re Men­schen bedeuten?
  • Wer trägt die Konsequenzen?

Die­se Fra­gen sind kein Angriff, son­dern Teil ernst gemein­ten Ver­ste­hens. Sie die­nen der Klä­rung – als Bei­trag zu einem gedeih­li­chen Zusam­men­le­ben, das Kon­flik­te nicht ver­mei­det, son­dern kon­struk­tiv austrägt.

In mei­ner Arbeit als Kon­flikt­mo­de­ra­tor und Media­tor fol­ge ich dabei einem ein­fa­chen, bewähr­ten Grund­satz:
Erst ver­ste­hen, dann ver­stan­den werden.

Dia­log heißt nicht Einverständnis

Ich set­ze mich seit vie­len Jah­ren prak­tisch und pro­fes­sio­nell für einen ver­söhn­li­chen Umgang mit grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit ein. Gemein­sam mit Mo Asumang habe ich einen Ver­ein gegrün­det (www.mo-lab.org), der bun­des­weit Trai­nings anbie­tet. Ich füh­re die­se Trai­nings selbst durch und bil­de Trainer:innen aus.

Ich habe zahl­rei­che Gesprä­che auf der Stra­ße geführt – in ganz Deutsch­land, mit Men­schen unter­schied­lichs­ter Hin­ter­grün­de und Über­zeu­gun­gen. Und ich kann sagen: Die­se Form des Dia­logs trägt.
Nicht, weil sie Ver­än­de­rung erzwingt, son­dern weil sie Bezie­hung ermög­licht – und Bezie­hung ist eine zen­tra­le Vor­aus­set­zung für jedes gedeih­li­che Zusam­men­le­ben.

Wenn wir Men­schen hin­ter Mau­ern ste­cken, sehen wir nicht mehr, was dort pas­siert. Und wir neh­men ihnen – und uns – die Mög­lich­keit, dass Ver­än­de­rung gesichts­wah­rend gesche­hen kann. Wir brau­chen Brü­cken. Brü­cken, über die ein Mensch ohne Scham zurück­kom­men kann.

Der ent­schei­den­de Punkt: Kontext

War­um also wen­de ich unter­schied­li­che Dia­log­stra­te­gien an?
Weil Kon­text zählt.

Im per­sön­li­chen Kontakt

Als Mensch in der Fami­lie, im Freun­des­kreis, im Ver­ein, auf der Stra­ße oder im direk­ten Eins-zu-Eins-Gespräch steht für mich der ver­söhn­li­che Dia­log im Mit­tel­punkt. Ich höre zu, fra­ge nach, wider­spre­che klar, aber respekt­voll. Ziel ist nicht Über­zeu­gung, son­dern Ver­stän­di­gung – als Basis für ein gedeih­li­ches Zusam­men­le­ben trotz tief­grei­fen­der Unterschiede.

Im poli­ti­schen Amt

Im Kom­mu­nal­par­la­ment gilt ein ande­rer Kon­text.
Hier ste­he ich nicht nur für mich, son­dern auch für mei­ne Freund:innen, Nachbar:innen und all jene, die von men­schen­feind­li­cher Poli­tik direkt betrof­fen wären.

Ich ver­wei­ge­re daher jede Form poli­ti­scher Koope­ra­ti­on mit Vertreter:innen einer Par­tei, die sich in einer gesi­chert rechts­extre­men Struk­tur wohl­fühlt, die Men­schen aus die­sem Land „raus­wer­fen“ möch­te und die regel­mä­ßig durch ras­sis­ti­sche, anti­se­mi­ti­sche, frau­en­feind­li­che oder demo­kra­tie­feind­li­che Äuße­run­gen auffällt.

Ein Hand­schlag ist hier nicht neu­tral – er signa­li­siert poli­ti­sche Zusam­men­ar­beit.
Die­se leh­ne ich ab.

Gleich­zei­tig begeg­ne ich auch hier jedem Men­schen mit dem Respekt, der ihm als Mensch zusteht:

  • Ich grü­ße per Kopfnicken.
  • Ich gehe sach­lich auf inhalt­li­che Bei­trä­ge ein.
  • Ich blei­be pro­fes­sio­nell und respektvoll.

Aber dabei bleibt es.

War­um ich im Kom­mu­nal­par­la­ment kei­nen Hand­schlag anbiete

Im poli­ti­schen Raum haben Ges­ten Bedeu­tung.
Ein Hand­schlag ist nicht nur Höf­lich­keit – er signa­li­siert poli­ti­sche Nor­ma­li­tät und Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft.

Ich ver­wei­ge­re daher bewusst den Hand­schlag mit Vertreter:innen einer Par­tei, die sich in einer gesi­chert rechts­extre­men Struk­tur wohl­fühlt, die offen über „Remi­gra­ti­on“ spricht und die einen Teil mei­ner Freund:innen, Nachbar:innen und Mitbürger:innen aus die­sem Land aus­schlie­ßen oder ver­trei­ben möchte.

Die­se Ent­schei­dung rich­tet sich nicht gegen den Men­schen, son­dern gegen das poli­ti­sche Pro­jekt, für das er steht.

Gleich­zei­tig gilt:
Ich begeg­ne auch hier jedem Men­schen mit dem Respekt, der ihm als Mensch zusteht.
Ich grü­ße per Kopf­ni­cken, füh­re sach­li­che Debat­ten und gehe auf inhalt­li­che Bei­trä­ge ein.

Was ich ver­wei­ge­re, ist poli­ti­sche Nor­ma­li­sie­rung.
Nicht Respekt.

Zwi­schen Schwarz und Weiß gibt es vie­le Grautöne

Zwi­schen per­sön­li­chem Gespräch und par­la­men­ta­ri­scher Aus­ein­an­der­set­zung lie­gen vie­le wei­te­re Kon­tex­te: Podi­ums­dis­kus­sio­nen, öffent­li­che Ver­an­stal­tun­gen, Bil­dungs­ar­beit, Medienformate.

In jedem die­ser Räu­me stel­le ich mir die­sel­be Fra­ge neu:
Was dient hier dem ver­söhn­li­chen Dia­log – und damit einem gedeih­li­chen Zusam­men­le­ben – am meisten?

Mei­ne Überzeugung

Ver­söhn­li­cher Dia­log ist kein Selbst­zweck.
Er ist eine Hal­tung – und zugleich ein Werk­zeug, das kon­text­ab­hän­gig ein­ge­setzt wer­den muss.

Brü­cken bau­en heißt nicht, Mau­ern zu igno­rie­ren.
Es heißt, Wege zurück offen zu hal­ten, ohne die eige­nen Wer­te preiszugeben.

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